Was im Cockpit gilt, sollte auch im Unternehmen gelten

Eines ist klar — für die meisten Unternehmen sind Situationen wie diese in Corona mehr als herausfordernd. Es ist die Zeit der Veränderung, der Umwandlung und Anpassung. Die Einschränkungen durch Corona sind für die Unternehmen einschneidend und der Wandel umso wichtiger, wenn nicht gleich sogar von existentieller Bedeutung. Doch wie heißt es so schön? Wer einen kühlen Kopf bewahrt, der handelt auch richtig. Und das ist mittlerweile eine der wichtigsten Maximen für mich.

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Die Erkenntnis kommt durch meine Ausbildung zum Piloten. Plötzlicher Wetterumschwung, eine Änderung der Flugplanung in der Luft, unterschiedliche Flugplätze mit individuellen Start- und Landeverfahren — sehr schnell lernte ich, dass schnelle Anpassungsfähigkeit bei unerwarteten Ereignissen ein absolutes Muss ist, denn als Pilot verantwortet man unmittelbar Menschenleben mit seinen Entscheidungen. In der Rolle als Unternehmerin und Unternehmer, sowie als Führungskraft ist es nicht ganz so erheblich. Dennoch: Warum nicht auch einmal einen Blick über den Tellerrand werfen? Mit diesem Artikel möchte ich einen persönlichen Wissenstransfer als Unternehmer und gleichzeitig als Pilot geben.

Während des Fluges merkst du, dass manchmal nur Sekunden zwischen einer richtigen und einer falschen Entscheidung liegen. Egal wie viel Stress im Cockpit herrscht, wie viele Warnlampen angehen und wie viele Warnsignale ertönen. Als Pilot lernst du den Grundsatz: Fly the aircraft! Lass dich nicht ablenken und treffe nach den obligatorischen Schemen deine Entscheidung. Daher müssen Entscheidungen auf das Wesentlichste reduziert werden. Führungskräfte und Unternehmerinnen und Unternehmer sind analog zu der oben beschriebenen Stresssituation auch immer im Fokus: Von allen Seiten gibt es Input, man trägt eine enorme Verantwortung, es herrscht Zeitdruck und notfalls springt man auch für andere Kollegen ein.

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Kommunikation ist ein oft unterschätztes Thema in Unternehmen, besonders in Zeiten von Homeoffice und digitaler Kommunikation. Auch hier gilt, dass eine verbindliche Kommunikation jede Form von Krise abwenden kann. Die klare Kommunikation von Verantwortlichkeiten muss sauber geklärt werden, da sich im Zweifelsfall niemand verantwortlich fühlt. Im Cockpit gibt es dafür klare Prozeduren und Arbeitsanweisungen. Der Kapitän und der Co-Pilot checken sich gegenseitig. Beispielsweise wird beim Startvorgang genau geklärt, wer das Flugzeug verantwortlich steuert über die sogenannte “Read back — Methode”. In den meisten Fällen sagt der Kapitän nach dem Aufrollen auf die Startbahn “You have control”. Der erste Offizier erwidert anschließend “I have control” und gibt Vollgas. Dieses Schema setzt sich auf dem gesamten Flug fort und somit ist in der Kommunikation deutlich geklärt, wer die Verantwortung hat. Gleiches gilt beim Prüfen von Checklisten. Ich lade Sie an dieser Stelle gerne zu einem Videobeispiel ein:

In Bezug auf die Unternehmen ist es meistens nicht mit einem Satz erledigt. Am Ende von längeren Gesprächen sollte immer noch ein Fazit mit der Kernthese formuliert und ausgesprochen werden. Alternativ kann auch eine offene Frage gestellt werden, die das Gegenüber nicht mit einem einfachen “Ja” oder “Nein” beantworten kann. Aus der Antwort kann man dann erkennen, ob die Botschaft richtig angekommen und verstanden ist. In Bezug auf die reduzierte Entscheidung und Komplexität gilt auch hier: Je wichtiger und komplexer der Inhalt eines Gesprächs war, desto kürzer und klarer sollten die Antworten sein.

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Zuletzt wäre da noch die Fehlerkultur im Unternehmen. Auch in einem Cockpit passieren andauernd Fehler. Auch wenn es niemand hören möchte, aber alle 4 Minuten passiert ein Fehler in einem Cockpit. Und das ist auch ok, weil Fehler nicht direkt zu einem Absturz führen. Sie führen erst dann zu einem Absturz, wenn sie im Team nicht gesehen werden oder nicht gesehen werden wollen. Letzteres ist meistens dann der Fall, wenn sich niemand traut den Fehler anzusprechen. Eine positive Fehlerkultur ist somit unerlässlich, genauso wie die gegenseitige Rücksichtnahme und Vertrauen. Somit gilt eine Fehlerkultur als positiv, wenn Fehler und Probleme offen angesprochen werden dürfen und zwar von jedem. Aus Fehlern lässt sich lernen und Verbesserungen entwickeln und dieses Verhalten muss im Cockpit, wie auch im Unternehmen gelebt werden.

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Die oben genannten Aspekte stellen die grundlegenden Prinzipien dar, die in der Luftfahrt für ein sehr hohes Maß an Sicherheitsstandards sorgen, obwohl es andauernd zu unerwarteten Ereignissen kommt. Auch ein Pilot kann sich deswegen nicht immer auf den Autopiloten verlassen. Dies gilt im gleichen Maße für Unternehmerinnen und Unternehmer, sowie den ganzen Stab an Führungskräften. Transparenz und Offenheit sind auch in der Unternehmenskultur immer wichtiger und tragen auch in Unternehmen zu Standards und Verbesserungen bei. Probieren Sie es mal aus. Wie der Kapitän es vorlebt, so verhält sich auch die gesamte Crew.

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